© Gesangverein Eintracht 1877 Wiesbaden Schierstein
Im Vereinsleben gibt es immer wieder bestimmte Zeitabschnitte, die festlich gestaltet werden müssen. Dann gilt es Rückschau zu halten und
längst vergangene Zeiten Revue passieren zu lassen. Der Gesangverein Eintracht Schierstein 1877 hat in diesem Jahr den Zeitraum von 125
Jahren seit seiner Gründung durchschritten und feiert, wie sollte es auch anders sein, im festlichen Rahmen Geburtstag.
Die abgelaufenen 125 Jahre wurden von der Eintracht in erster Linie mit Kulturarbeit ausgefüllt. Das deutsche Lied, insbesondere aber das
Volkslied, wurde gehegt und gepflegt. Vergessen wurde auch nicht der Dienst am Nächsten; auch als Freudenspender konnte sich der Verein
einen Namen machen. Was aber besonders wichtig war, innerhalb des Vereines fand immer wieder ein Regenerieren statt. Um dieses
Regenerieren war buchstäblich ein Strom des Segens, denn nur so konnte der Verein in seiner Gesamtheit gesehen bis auf den heutigen Tag
jung bleiben. Segensreich war die Arbeit in der Vergangenheit und Gegenwart, sie wird es hoffentlich auch in Zukunft bleiben. Bei der Eintracht
ist zum Glück nichts vom Nachlassen der Kräfte zu spüren. Sie steht jugendfrisch wie einst in unserer Zeit und beschreitet den weiteren Weg in
die Zukunft mit Vertrauen auf die eigene Stärke.
Die Gründung des Gesangvereins Eintracht fällt in den Beginn einer Zeitepoche, die man später als das goldene Zeitalter bezeichnete. Doch wie
so oft lagen gerade damals Licht und Schatten, Freud und Leid, Niedergeschlagenheit- und Aufgeschlossenheit nahe beieinander. Und doch, es
war eine geruhsame Epoche - sie ging vorüber. Zwei furchtbare Weltkriege mit schrecklichen Folgen rasten über uns hinweg. Und dennoch, die
Eintracht blieb bestehen, sie konnte und durfte nicht untergehen.
Alte Folianten, Festbücher, Protokollbücher, handschriftliche Notizen und Zeitungsausschnitte lassen den Weg in die Vergangenheit einwandfrei
verfolgen. Das Vereinsschiff wurde gerüttelt und geschüttelt, es schien auch einmal dem Untergang geweiht, aber daraus wurde nichts, denn
dem Resignieren folgte das Aufbäumen und ein nun erst recht ! hingebungsvoll und leidenschaftlich waren die Vorsitzenden und Präsidenten
ihrer Eintracht ergeben.
Wenn man die hochsommerlichen Geschehnisse des Jahres 1877 in Schierstein genau unter die Lupe nimmt, dann kommt man nicht um die
Feststellung herum, dass der Gesangverein Eintracht 1877 aus Opposition gegründet wurde. Eine ganze Anzahl jüngerer Mitglieder des
damaligen Gesangvereins Germania (heute MGV 1842) übte sie aus und war entschlossen, einen neuen Gesangverein zu gründen, der in der
Führung ihren Idealen entsprach.
Die Oppositionellen handelten! Sie hatten den Mut, sich aus einer Gemeinschaft zu lösen, in der nicht gleiches Recht für alle oberstes Gesetz
war. Im Gasthaus "Zur Station Schierstein" (Besitzer Ph. Lang, Bahnhofstraße 11, jetzt Freudenbergstraße 11) wurde am 20. August 1877 der
Gesangverein Eintracht gegründet. Zur Gründungsversammlung hatten sich 22 sangesfreudige Idealisten in der sog. Flügelstube eingefunden.
Es gab keine langen Diskussionen, denn alle waren sich einig. Dass die Bezeichnung EINTRACHT zum Gesangverein hinzugefügt wurde, sollte
eine ständige Mahnung und Verpflichtung sein, keine Zwietracht aufkommen zu lassen. Dass das nicht immer einfach war, wird sich noch
ergeben.
Von der Gründung wurde ein Protokoll angefertigt, das alle unterschrieben. Es befindet sich heute noch im Besitz des Vereines. Um sofort einen
kleinen finanziellen Rückhalt zu haben, zahlten sie 2 Mark in die Vereinskasse und legten einen Monatsbeitrag von 30 Pfg. fest. Lodernde
Begeisterung erfasste die jungen Eintrachtler, denn was nun innerhalb weniger Tage geschah, war nur ihr zu bewältigen. Bereits zwei Tage nach
der Gründung wurde eine Mitgliederversammlung abgehalten. An ihr nahmen bereits 25 Sänger teil. Diesmal wurde der Vorstand gewählt. Den
Posten des 1. Vorsitzenden übernahm nach einstimmiger Wahl
Philipp Bender.