Im Vereinsleben gibt es immer wieder bestimmte Zeitabschnitte, die festlich
gestaltet werden müssen. Dann gilt es Rückschau zu halten und längst
vergangene Zeiten Revue passieren zu lassen. Der Gesangverein Eintracht
Schierstein 1877 hat in diesem Jahr den Zeitraum von 125 Jahren seit seiner
Gründung durchschritten und feiert, wie sollte es auch anders sein, im
festlichen Rahmen Geburtstag.
Die abgelaufenen 125 Jahre wurden von
der Eintracht in erster Linie mit Kulturarbeit ausgefüllt. Das deutsche
Lied, insbesondere aber das Volkslied, wurde gehegt und gepflegt. Vergessen
wurde auch nicht der Dienst am Nächsten; auch als Freudenspender konnte sich
der Verein einen Namen machen. Was aber besonders wichtig war, innerhalb des
Vereines fand immer wieder ein Regenerieren statt. Um dieses Regenerieren
war buchstäblich ein Strom des Segens, denn nur so konnte der Verein in
seiner Gesamtheit gesehen bis auf den heutigen Tag jung bleiben. Segensreich
war die Arbeit in der Vergangenheit und Gegenwart, sie wird es hoffentlich
auch in Zukunft bleiben. Bei der Eintracht ist zum Glück nichts vom
Nachlassen der Kräfte zu spüren. Sie steht jugendfrisch wie einst in unserer
Zeit und beschreitet den weiteren Weg in die Zukunft mit Vertrauen auf die
eigene Stärke.
Die Gründung des Gesangvereins Eintracht fällt in den
Beginn einer Zeitepoche, die man später als das goldene Zeitalter
bezeichnete. Doch wie so oft lagen gerade damals Licht und Schatten, Freud
und Leid, Niedergeschlagenheit- und Aufgeschlossenheit nahe beieinander. Und
doch, es war eine geruhsame Epoche - sie ging vorüber. Zwei furchtbare
Weltkriege mit schrecklichen Folgen rasten über uns hinweg. Und dennoch, die
Eintracht blieb bestehen, sie konnte und durfte nicht untergehen.
Alte Folianten, Festbücher, Protokollbücher, handschriftliche Notizen und
Zeitungsausschnitte lassen den Weg in die Vergangenheit einwandfrei
verfolgen. Das Vereinsschiff wurde gerüttelt und geschüttelt, es schien auch
einmal dem Untergang geweiht, aber daraus wurde nichts, denn dem Resignieren
folgte das Aufbäumen und ein nun erst recht ! hingebungsvoll und
leidenschaftlich waren die Vorsitzenden und Präsidenten ihrer Eintracht
ergeben.
Wenn man die hochsommerlichen Geschehnisse des Jahres 1877
in Schierstein genau unter die Lupe nimmt, dann kommt man nicht um die
Feststellung herum, dass der Gesangverein Eintracht 1877 aus Opposition
gegründet wurde. Eine ganze Anzahl jüngerer Mitglieder des damaligen
Gesangvereins Germania (heute MGV 1842) übte sie aus und war entschlossen,
einen neuen Gesangverein zu gründen, der in der Führung ihren Idealen
entsprach.
Die Oppositionellen handelten! Sie hatten den Mut, sich
aus einer Gemeinschaft zu lösen, in der nicht gleiches Recht für alle
oberstes Gesetz war. Im Gasthaus "Zur Station Schierstein" (Besitzer Ph.
Lang, Bahnhofstraße 11, jetzt Freudenbergstraße 11) wurde am 20. August 1877
der Gesangverein Eintracht gegründet. Zur Gründungsversammlung hatten sich
22 sangesfreudige Idealisten in der sog. Flügelstube eingefunden. Es gab
keine langen Diskussionen, denn alle waren sich einig. Dass die Bezeichnung
EINTRACHT zum Gesangverein hinzugefügt wurde, sollte eine ständige Mahnung
und Verpflichtung sein, keine Zwietracht aufkommen zu lassen. Dass das nicht
immer einfach war, wird sich noch ergeben.
Von der Gründung wurde ein
Protokoll angefertigt, das alle unterschrieben. Es befindet sich heute noch
im Besitz des Vereines. Um sofort einen kleinen finanziellen Rückhalt zu
haben, zahlten sie 2 Mark in die Vereinskasse und legten einen Monatsbeitrag
von 30 Pfg. fest. Lodernde Begeisterung erfasste die jungen Eintrachtler,
denn was nun innerhalb weniger Tage geschah, war nur ihr zu bewältigen.
Bereits zwei Tage nach der Gründung wurde eine Mitgliederversammlung
abgehalten. An ihr nahmen bereits 25 Sänger teil. Diesmal wurde der Vorstand
gewählt. Den Posten des 1. Vorsitzenden übernahm nach einstimmiger Wahl
Philipp Bender.
Der Vorstand wurde beauftragt, die Statuten
vorzulegen. Eine weitere Mitgliederversammlung genehmigte sie am 25. August.
Sie mussten allerdings noch von der Ortspolizeibehörde überprüft werden. Am
15. September 1877 gab die Ortspolizeibehörde, vertreten durch den damaligen
Bürgermeister, bekannt, dass sie genehmigt waren.
Die Wirtschaft der
Bierbrauerei Ebenauer Wwe. wurde als erstes Vereinsheim auserwählt. Zum
Dirigenten konnte Kapellmeister Hoffmann aus Biebrich verpflichtet werden.
Das Vereinsschiff Eintracht konnte nun alle Segel setzen und beweisen, dass
es geeignet war, in kultureller Hinsicht ein wertvolles Instrument zu sein.
Um das gerecht beurteilen zu können, muss man sich vor allem in jene Zeiten
zurückversetzen, als es weder Rundfunk noch Fernsehen gab und Schierstein
mehr ein ländlicher als ein industrieller Ort war. Die Verkehrsverbindungen
zu den nahen Städten Mainz und Wiesbaden waren mehr schlecht als gut. Da
konnte es nicht ausbleiben, dass dem kulturellen Schaffen der Vereine
besondere Bedeutung beizumessen war. In dieser Zeit hat der Gesangverein
Eintracht eine Mission erfüllt, die wir heute noch bewundern müssen. In
diesem Zusammenhang wollen wir weder beachten, dass der Verein an
zahlreichen Gesangswettstreiten erfolgreich teilnahm und dass er wertvolle
Konzerte in Schierstein veranstaltete, sondern wir wollen an die geselligen
Veranstaltungen denken, an die Festbälle und nicht zuletzt an die
großartigen Theateraufführungen. Es waren lauter echte Idealisten, die
begeisterungsfähig waren, die neben ihrer damals wirklich sehr langen
Tagesarbeit noch Zeit und Muse fanden, sich in vielen Proben darauf
vorzubereiten, um zu gewissen Zeitpunkten ihren Mitmenschen Entspannung und
Freude bieten zu können.
Der Wandel der Zeit machte auch bei der
Eintracht nicht halt. Aber eins sei festgestellt: Der Verein ist auch heute
immer noch bereit, bei der Gestaltung von allgemeinen kulturellen
Veranstaltungen aktiv mitzuwirken. In den vergangenen Jahren anlässlich des
Hafenfestes oder bei der Feier "50 Jahre Eingemeindung Schierstein zu
Wiesbaden". Der Applaus bewies ihnen, wie gut ihr Gesang angekommen ist.
Nach dieser Kurzbetrachtung der allgemein erwähnenswerten Leistungen des
Vereines zurück zum Geschichtsablauf. Am 2. Mai 1878 trat die Eintracht
erstmals in der Öffentlichkeit auf. Sie hielten den "Drei Kronen" einen
Vereinsball ab, der guten Anklang fand. Wenig später gab es einen
Dirigentenwechsel. Kapellmeister Eckel von der Kurkapelle Schlangenbad
übernahm den Chor. Immer mehr Sangesfreunde meldeten sich bei der Eintracht
an. So kam es, dass der Übungsraum im Vereinslokal zu klein wurde. Daher
siedelte der Verein in das Restaurant "Rheinlust" um.
Im Sommer 1882
wurde in Diez/Lahn der Nassau'sche Sängerbund gegründet. Ihm trat auch der
GV Eintracht am 2.12.1882 als Mitglied bei. Schon im Jahre 1880 hatte man an
die Anschaffung einer Fahne gedacht. Schiersteiner Jungfrauen sammelten für
diesen Zweck 200,-- Mark und übergaben sie dem Verein. Die Fahnenweihe fand
am 3. Juni 1883 auf dem Festplatz am Hafen statt.
Innerhalb kurzer
Zeit, von 1882 bis 1885, wurde ein dreimaliger Chorleiterwechsel
erforderlich. Unter der Stabführung von Stabshornist Schneider nahm der
Verein 1885 an einem Gesangswettstreit des Brudervereins Germania teil.
Bestandene Bewährungsprobe: "Rein im Sange, Treu im Wort, Fest in Eintracht,
Immerfort"
Dieser Wahlspruch des Gesangvereins Eintracht muss dem
nachfolgenden Kapitel vorangestellt werden, denn viele Jahre kriselte es
gefährlich. Es begann mit den Bestrebungen, einen Zusammenschluss der
Gesangvereine Germania und Eintracht herbeizuführen. Viele Mitglieder der
Eintracht standen einer Fusion nicht ablehnend gegenüber, jedoch sollte bei
der Vereinigung der Name Eintracht beibehalten werden. Für die Gegenseite
bedeutete dieses Anliegen - Ablehnung!
Bei einigen Eintracht-Sängern
gab es indessen keine Ruhe. Deshalb mussten sich die Geister scheiden. Die
entscheidende Versammlung fand am 3. Dezember 1887 statt. Der Fahnenträger
gab die Fahne mit einem Schreiben zurück, wonach zunächst 11 Mitglieder
ihren Austritt erklärten. Weitere 6 Mitglieder folgten diesem Beispiel, so
dass der Verein insgesamt 17 Sänger verlor.
Nach diesem Gewittersturm
schien die Ruhe gesichert. Dem war aber nicht so. 1894 erreichte der Verein
mit nur noch 35 Mitgliedern den absoluten Tiefstand. Es muss auch von einer
Auflösung des Vereines die Rede gewesen sein, sonst wäre wohl nicht jener
Beschluss vom 5. Februar 1898 nötig gewesen, in dem festgelegt wurde, dass
eine Auflösung des Vereines vollständig ausgeschlossen sei, solange noch 6
Mitglieder dem Verein die Treue hielten. Diese klare Festlegung ließ auch
die Pessimisten neuen Mut schöpfen. Das Fähnlein der sieben Aufrechten hatte
gesiegt, die schwerste Krisenzeit der Eintracht gehörte der Vergangenheit an
und es ging wieder aufwärts!
Emil Spitz
als Vorsitzender der Eintracht von 1891 bis 1919 hatte die
schwerste Hürde genommen. Die neuen Dirigenten Wehnert, Merten und Scheurer
sorgten dafür, dass auch der Chor wieder Ansehen gewann. Im Jahre 1901
errang die Eintracht bei einem Gesangswettstreit in Langenschwalbach (jetzt
Bad Schwalbach) den ersten Preis.
Das 25-jährige Stiftungsfest
feierte der Gesangverein Eintracht am 15. und 16. Juni 1902. An dem
Jubelfest beteiligten sich insgesamt 17 Vereine. Stolz bemerkt der Chronist
in seiner Abrechnung, dass dieses Fest dem Verein einen Überschuss von
insgesamt 540,68 Mark gebracht hat. Für die damalige Zeit eine schöne Stange
Geld.
Der Verein hatte nun eine gefüllte Kasse und konnte zu neuen
Taten schreiten. Leider kündigte der erfolgreiche Dirigent Scheurer am 21.
September 1905. Den Dirigentenstab übernahmen in der Folge die Musiker
Eschwege und Heuß. Das Jahr 1906 brachte den Gesangswettstreit des
Nassau'schen Sängerbundes in Sonnenberg. Der Verein errang den 2. Preis und
den 2. Ehrenpreis.
Besonders erwähnenswert in der Vereinsgeschichte
ist das Jahr 1909. Als damals der Dirigent Karl Reinhardt
als
Chorleiter gewonnen wurde, konnte niemand im Entferntesten ahnen, dass eine
"Reinhardt'sche Chorleiter-Ära" angebrochen war. Sie währte bis zum Jahre
1959, denn 1938 übernahm sein Sohn August den Dirigentenstab von seinem
Vater. In dieser Zeitspanne hat der Gesangverein Eintracht auf vielen
Sängerwettstreiten bedeutende Erfolge errungen. Als von 1914 bis 1918 der
erste Weltkrieg wütete, wurde es um das Vereinsleben stiller und im Jahre
1916 ganz still. Erst im April 1919 konnte sich die Eintracht wieder regen
und die ersten Gesangstunden abhalten. Der verlorene Krieg hatte es mit sich
gebracht, dass auch Schierstein von französischen Truppen besetzt war.
Alle Vereine hatten mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen. In diesen
Notzeiten traf den Verein mit dem Ableben des langjährigen Vorsitzenden Emil
Spitz ein herber Verlust. Glücklicherweise konnte mit Karl Steinheimer ein
Nachfolger gefunden werden, der bis ins hohe Alter wusste, was er wollte. Im
Jahre 1952 schrieb Gustav Dauster über den damaligen Ehrenvorsitzenden: Herr
Steinheimer, der noch im 76. Lebensjahr in voller körperlicher und geistiger
Rüstigkeit aktiver Sänger ist, kann für sich in Anspruch nehmen, zu dem
Aufschwung der Eintracht mit recht großem Anteil beigetragen zu haben!
Die Schiersteiner Sängerfesttage, die über das Pfingstfest 1927 abgehalten
wurden, müssen als eine einzige Demonstration für das deutsche Lied bewertet
werden. Der Gesangverein Eintracht hatte sie aus Anlass des 50-jährigen
Jubiläums unter dem Motto: "Ein Sängerfest am deutschen Rhein" ausgerichtet.
An dem Gesangwettstreit beteiligten sich 25 Vereine mit insgesamt 1.565
Sängern. Die gesamte Einwohnerschaft des Hafenstadtteils nahm an diesem Fest
regen Anteil. Ehrensache eines jeden Bürgers war es, der Eintracht beim
Aufbau des Festes unter die Arme zu greifen. Die alten Sänger, die damals
dabei waren und auch zum Teil noch das 100-jährige Wiegenfest miterlebten,
sagen: Es war eine Glanzzeit unserer Eintracht.
Die politischen
Geschehnisse des Jahres 1933, als das sog. "Dritte Reich" seine Macht
auszuüben begann, schufen für alle Vereine neue Voraussetzungen. Der Prozess
der Gleichschaltung begann. Alle Vereine oder Organisationen, die sich
diesem Ziel widersetzten, wurden einfach aufgelöst. Der NS-Kulturbund
sicherte die Erfassung und Gleichschaltung der Träger des Kulturlebens. Die
Obrigkeit bestimmte, und so kam es, dass der Zwang, der auf vielen lastete,
ihnen die Mitarbeit verleidete.
Durch diese Einflüsse bedingt,
schlingerte 1935 die Eintracht in eine neue Krise. Der beliebte erste
Vorsitzende Karl Steinheimer musste abgelöst werden. Um das Vereinsschiff
nicht der vollkommenen Willkür preiszugeben, und um einer sogar
beabsichtigten Auflösung des Vereins entgegenzutreten, übernahm Ferdinand
Birck das Amt des ersten Vorsitzenden. Der Eintracht-Familie muss man in
diesem Zusammenhang bescheinigen, dass sie diese Hürde elegant zu nehmen
gewusst hat. Die Sänger konnten das deutsche Liedgut - wenn auch mit
gewissen Einschränkungen - weiterhin interpretieren.
Die Hoffnungen,
wenigstens in Frieden auch weiterhin Kulturarbeit leisten zu können, mussten
im August 1939 begraben werden. Der 2. Weltkrieg - noch grausamer und
brutaler als sein Vorgänger - begann zu wüten. Die Zahl der Sänger nahm
rapide ab, sie wurden zu den Waffen und zum Sterben gerufen. Wen wundert es
da noch, dass bald nur noch vorübergehend gesungen werden konnte. Mitten im
Krieg stellte Ferdinand Birck sein Amt als Vorsitzender, wegen
Arbeitsüberlastung zur Verfügung.
Sein Nachfolger wurde 1941 Adam
Quetsch, der ein schweres Erbe antrat. Die Vereinsarbeit musste notgedrungen
weiter eingeschränkt werden. Immer mehr Sänger wurden eingezogen.
Schließlich war es so weit, dass von einem geregelten Vereinsleben nicht
mehr die Rede sein konnte.
Kein Schrecken ohne Ende. So ging auch der
Krieg am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands zu
Ende. Unsere Heimat war schon früher von amerikanischen Truppen besetzt
worden. Das NS-Regime war zusammengebrochen. Was sollte nun werden? Die
US-Militärregierung hatte alle Vereine kurzerhand verboten, sie galten als
aufgelöst. Damit, so schien es wenigstens vorübergehend, war alles das, was
uns Kultur- und Geistesleben bedeutete, zu einem kümmerlichen Dasein
verurteilt. Die US-Behörden erkannten jedoch bald, dass eine Lockerung
dieser harten Bestimmungen notwendig war. So konnten die Vereine schließlich
bei der Stadt Wiesbaden Anträge auf Wiederzulassung stellen. Dabei war zu
beachten, dass ein Vorstand gemeldet werden musste, der den Vorschriften der
Besatzungsmacht entsprach.
Der Gesangverein Eintracht konnte diese
Bedingungen 1946 erfüllen. Um den alten und neuen Vorsitzenden Adam Quetsch
scharten sich die Mitglieder, um vertrauensvoll einer neuen und schöneren
Zukunft entgegenzugehen. Da auch Chormeister
August Reinhardt
wieder der
Sängerschar vorstand, konnte nichts mehr schief gehen. Es ging schnell
aufwärts. Die alten Beziehungen zu den vielen befreundeten Vereinen wurden
wieder hergestellt. Wenn man bedenkt, dass 1948 mit der Währungsreform alle
Reichsmark-Ersparnisse des Vereines so gut wie vollständig verloren waren,
dann ist die Tatsache, dass ein Jahr später im Jahre 1949 aus eigener Kraft
ein Bechstein-Flügel beschafft werden konnte, ganz besonders
herauszustellen.
Das 75-jährige Jubiläum feierte die Eintracht am 9.
und 10. August 1952 in der Turnhalle der Turngemeinde Schierstein. Über 20
Vereine waren an der Gestaltung der Jubiläumsfeierlichkeiten beteiligt. Die
Dirigentenfamilie Reinhardt wurde während des Festes verdientermaßen geehrt.
Vorsitzender Adam Quetsch hatte mit seinem Festausschuss die gesamte
Veranstaltung hervorragend organisiert.
Der Sängeridealist Adam
Quetsch hatte nun 11 Jahre lang seiner geliebten Eintracht in schlechten wie
in guten Zeiten gedient. Er zog sich nun auf's verdiente Altenteil zurück.
Daher wurde August Kunz im Jahre 1953 zum neuen Vorsitzenden gewählt. Auch
ihm lag es besonders am Herzen, alte Sängerfreundschaften zu erhalten und,
wenn möglich neue anzuknüpfen. Die sangesbrüderliche Freundschaft mit dem
MGV 1871 Sängerbund Saarwellingen, gibt davon Zeugnis. Zur Freundschaft
Saarwellingen-Schierstein berichtet 1953 das "Wiesbadener-Tagblatt" u.a.:
"Wir wollen stets gute Freunde sein, ihr von der Saar, wir vom Rhein".
Dieser Ausspruch des ersten Vorsitzenden Kunz vom Gesangverein Eintracht
(Schierstein) muss diesem Sängertreffen vorangestellt werden. Es wurde zu
einem machtvollen Bekenntnis für die Sache des deutschen Liedes. Worte
vermögen kaum auszudrücken, wie sich die Herzen der Saarländer und der
Schiersteiner in einer Harmonie zusammenfanden, die man sich schöner nicht
denken kann.
Im Jahre 1954 beschloss der Verein ein neues Banner
anzuschaffen und es anlässlich des 80-jährigen Wiegenfestes im Jahre 1957
feierlich zu weihen. Daher wurde sofort ein Fahnenfonds angelegt. Die
Mitglieder hatten wieder ein neues Ziel vor Augen. Freunde und Gönner trugen
ebenfalls ihr Scherflein dazu bei, dass der Fahnenfonds bald gefüllt war. So
konnte die neue Vereinsfahne rechtzeitig genug zur Anfertigung in Auftrag
gegeben werden.
Das 80-jährige Jubiläum, verbunden mit der
Fahnenweihe, wurde vom 6. bis 8. Juli 1957 im Festzelt auf dem neuen
Festplatz des Verkehrsvereins am Westhafen abgehalten. Hierbei bewies die
Eintracht, dass sie es auch in der Nachkriegszeit nicht verlernt hat, wie
man ein Sängerfest großartig gestalten kann. Unter dem Motto "Liedertag am
Rhein", dem als prominentester Gast der Hessische Landtagspräsident Heinrich
Zinkann beiwohnte, gaben sich über 30 Gesangsvereine mit mehr als 1 500
Sängern in Schierstein ein Stelldichein. Zahllos waren die Glückwünsche, die
dem Verein zu diesem Tag und zu seiner Fahnenweihe überbracht wurden. Die
Weihe der neuen Fahne, der Ehrenjungfrauen das Geleit zur Bühne gaben, nahm
der erste Vorsitzende des Hessischen Sängerbundes, Georg Hertel, vor. Die
Fahne sei das Symbol der Gemeinschaft, sagte Georg Hertel. Zugleich
übermittelte er seine Glückwünsche für die 75-jährige Zugehörigkeit des
Vereines zum Deutschen Sängerbund. Den Reigen der Gratulanten eröffneten die
Eintracht-Frauen. Sie überreichten einen Tischständer und die erste
Fahnenschleife zum Jubiläum.
Am Gründerhaus der Eintracht,
Freudenbergstraße 11, wurde eine Marmortafel enthüllt. In goldenen Lettern
ist vermerkt, dass hier die Wiege des Vereines gestanden hat.
Im
Februar 1959 gab es zwei bedeutende Veränderungen im Verein:
Nach dem
Rücktritt des bisherigen 1. Vorsitzenden A. Kunz übernahm das
Vorstandsmitglied Fritz Haibach den Vorsitz im Verein. Zum gleichen
Zeitpunkt wurde mit Chordirektor Alfred Engelmann
ein neuer Chorleiter
verpflichtet.
Zwei neue Männer in Schlüsselpositionen. Aber den
Wechsel brauchte die Eintracht nicht zu bereuen. Chordirektor Engelmann
stand bislang dem Chor in psychologisch feinfühliger Weise vor. Er verstand
die Sängerschar hervorragend zu führen und für das deutsche Liedgut zu
begeistern. Mit Fritz Haibach hatte der Vereineinen verhältnismäßig jungen
1. Vorsitzenden bekommen, dessen erstes Bestreben war, den Verein zu
festigen und zu stärken. Seine letzte große Zielsetzung: Eine würdige
Gestaltung der 90-Jahrfeier. Leider war es ihm nicht vergönnt, diesen
Höhepunkt seiner Tätigkeit für die Eintracht zu erleben. Mitten in den
Vorbereitungen, die für das Geburtstagsfest getroffen werden mussten, traf
den Verein ein schwerer Schicksalsschlag. Fritz Haibach war am 2.3.1967 auf
seiner Arbeitsstelle verstorben. Ein unerbittliches und unergründliches
Schicksal hatte seinem freudigen Wirken ein Ende gesetzt. Obwohl es viele
ältere Mitglieder im Verein gibt, fühlte man so, als sei der Vater der
Eintracht in die Ewigkeit abberufen worden. Und in der Tat, Fritz war der
Eintracht im wahrsten Sinne des Wortes Bedeutung ein Vater. Er lebte für
seine Eintracht, er liebte seine schöne Heimat über alles, und er befasste
sich gerne mit allgemeinen Schiersteiner Problemen. Fritz Haibach war ein
großer Idealist. Wir erinnern uns seiner bedächtigen Art, aber er hatte
genau überdacht, was er sagte, und was er sagte, das meinte er auch so.
Doppelzüngigkeit war ihm fremd. Darum war er nicht nur bei seiner Eintracht,
sondern auch bei vielen befreundeten Vereinen beliebt. Am 7. März 1967 nahm
die Eintracht-Familie von ihm schmerzlich Abschied. Sie wird sein Andenken
in Ehren bewahren.
Was wird nun werden? Diese Frage wurde von den
Sängern sehr schnell entschieden, denn das Vereinsleben musste weitergehen.
Sie hatten als Interimsvorsitzenden Adolf Lauber vorgesehen, der in
jahrelangem, beharrlichem Werben von Fritz Haibach als Sänger geworben
worden war. Dennoch, es bedurfte schon einiger Überredungskunst, bis er sich
bereit erklärte, das angetragene Amt zu übernehmen, denn schließlich war er
ja einer der jüngsten aktiven Sänger und hatte, wie er selbst sagte, von
nichts eine Ahnung.
Aber er hatte, und das war in diesem Fall viel
wichtiger, das Vertrauen der Sänger. Sie und die altbewährten Kräfte des
Vorstandes waren bereit, mit ihm durch dick und dünn zu gehen. Wiederum
hatte das Vereinsschiff einen jungen Steuermann, der sicherlich bemüht war,
das Ruder in eine hoffnungsvolle Zukunft zu dirigieren.
Adolf Lauber
setzte die begonnene Arbeit von Fritz Haibach fort und gestaltete das
90-jährige Sängerfest zu einem Höhepunkt im Vereinsleben. Am 14. und 15.
Oktober 1967 fand in der Turnhalle - heutige Georg-Lang-Halle - das
Freundschaftssingen mit 28 teilnehmenden Vereinen statt.
Neue junge
Sänger konnten geworben werden und bald hatte der Chor wieder eine
stattliche Sängerzahl. So wirkte die Eintracht am 11. Oktober 1969
anlässlich des Volksmusiktages im Kurhaus Wiesbaden mit. Die Wiesbadener
Presse sprach von einem Beispiel gepflegten Chorgesanges. Der Leiter des
Akkordeon-Orchesters Dietmar Walther lud daraufhin die Sänger zu einer
weiteren Veranstaltung im Frühjahr 1970 ins Wiesbadener Kurhaus ein, was zur
Folge hatte, dass sich der Hessische Rundfunk für den Chor der Eintracht
interessierte. Am 6. Juni 1970 fuhren die Sänger zu einer Aufzeichnung zum
Hessischen Rundfunk nach Frankfurt und am Sonntag, dem 23. August 1970,
wurden dann die Lieder erstmals ausgestrahlt, die noch öfter im Rundfunk zu
hören waren.
Auch tat der Vorstand etwas für die Geselligkeit im
Vereinsleben. 1969 unternahm man eine 4-Tagesfahrt nach Österreich, welche
man auf Grund des großen Anklanges 1970 wiederholte und auf 5 Tage
ausdehnte. Die Sänger mit ihren Frauen waren so begeistert, dass die
Vereinsführung beschloss, diese Reise jedes Jahr durchzuführen. Durch diese
Erfolge gestärkt, kam der Wunsch auf, 1972 wieder ein Chorkonzert
abzuhalten. Um dieses Konzert repräsentativ zu gestalten, nahm man
Verbindung mit der Fa. Söhnlein auf, damit diese ihren Speisesaal zur
Verfügung stelle. Nach erfolgreichem Abschluss dieser Verhandlungen wurde
der 17. März 1972 festgelegt. Die Sänger gingen mit Freude an diese neue
Aufgabe heran, als das Schicksal wiederum zuschlug.
Vierzehn Tage vor
der geplanten Durchführung dieses Konzertes erlitt der 1. Vorsitzende Adolf
Lauber einen Herzinfarkt. Die Sänger und seine Angehörigen atmeten
erleichtert auf, als feststand, dass er wieder gesunden werde. Er konnte
aber für die nächste Zeit das Amt eines Vorsitzenden nicht übernehmen. So
wählte man in der einberufenen Jahreshauptversammlung den seitherigen
Schriftführer Adolf Wehnert zum 1. Vorsitzenden. Adolf Wehnert ging nun
daran, die große Arbeit, die auf die Eintracht zukam - das 100-jährige
Bestehen - zu bewältigen. Er und seine Mitarbeiter machten dieses Fest in
gemeinsamer Arbeit zu einem vollen Erfolg, der sich würdig an die
Feierlichkeiten vergangener Jahre anschließen konnte.
Der
Kommersabend sowie das Freundschaftssingen fanden am 11. und 12. Juni 1977
in einem von den Sängern persönlich aufgebauten Festzelt statt. Am
Freundschaftssingen waren insgesamt 37 Vereine beteiligt. Durch den
Oberbürgermeister Rudi Schmitt wurde dem Verein die Goldene Plakette der
Landeshauptstadt Wiesbaden überreicht.
Doch auch nach dem tollen
Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen wurde der Verein schnell wieder vom
Tagesgeschäft eingeholt. Waren beim Fest noch über 60 Sänger auf der Bühne,
so ist die Zahl seit dieser Zeit eigentlich ständig rückläufig. Dies liegt
sicherlich zum Einen daran, dass auch Sänger nicht jünger werden, zum
Anderen aber auch am nicht vorhandenen Nachwuchs. Zu groß sind die
Konkurrenten aus Sport und Unterhaltung und viel zu einfach ist es, sich
unterhalten zu lassen bevor man für irgend eine Unterhaltung selbst aktiv
werden muss.
Dies war die Zeit in der die Eintracht erkannte, dass am
Vereinsleben alle Mitglieder und nicht nur die Sänger beteiligt werden
müssen. So wurde das Vereinsangebot für alle Mitglieder erweitert.
Zusätzlich zu regelmäßigen Chorkonzerten veranstaltete der Verein einen
Wandertag, ein Grillfest und ein Oktoberfest. Nikolausfeier für die Aktiven
und geladene Gäste sowie eine Weihnachtsfeier gehörten ohnehin bereits zum
festen Bestandteil des Terminkalenders. Nach wie vor existiert bei der
Eintracht eine Laienspielgruppe, die 2 mal pro Jahr ein Theaterstück
aufführt. Ein weiterer Höhepunkt stellt mittlerweile ebenfalls die
Kappensitzung der Eintracht dar. Auch hier kann der Verein überwiegend auf
eigene Akteure zurück greifen. Dies alles hat dazu geführt, dass der Verein
auf einem gleich bleibend guten Niveau gehalten werden konnte. Größter
Beliebtheit erfreut sich außerdem die alljährliche 5-Tages-Fahrt der
Eintracht bei der regelmäßig bis zu 100 Mitfahrer gezählt werden können.
Aber auch im Vorsitz des Vereins gab es erneut einige Veränderungen.
Zunächst übernahm 1981 der bisherige 2. Vorsitzende Heinz Birck das Amt,
nachdem Adolf Wehnert aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung
stand. Mit ihm übernahm eine absolute Frohnatur das Ruder, der es immer
wieder verstand die Herzen vieler zu erringen. Sein ganzes Trachten bestand
darin, den Chor auf hohem Niveau zu halten und den gesamten Verein mit Leben
zu erfüllen. Leider verstarb Heinz Birck viel zu früh im Jahre 1987 und
erneut musste ein neuer Vorsitzender gefunden werden. Adolf Wehnert war
derjenige, der bereit war noch einmal in die Presche zu springen und
übernahm 1988 erneut den Vorsitz. Aber bereits 1989 musste der Verein auch
seinen Tod beklagen. Mit ihm verlor die Eintracht erneut eine prägende
Persönlichkeit, den seine Kompromissfähigkeit und sein Bemühen um das
Verstehen des Anderen ausgezeichnet haben. Bei der Mitgliederversammlung
1990 wurde Wendelin Ries
zum neuen 1. Vorsitzenden des Vereines
gewählt. Doch bereits 1993 wurde erneut ein Vorsitzender gesucht, nachdem
Wendelin Ries nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung stand. Es
übernahm nun Dieter Bender
das Steuer und machte relativ schnell
deutlich, dass er in Zukunft auf ein effektives Team setzen möchte und die
Arbeiten im Vorstand auf mehrere Schultern verteilt werden müssen. Mit ihm
kam endlich wieder eine gewisse Kontinuität in den Verein.
In diese
Amtszeit fallen noch weitere für den Verein einschneidende und wichtige
Entscheidungen. Da nur mit Mitgliedsbeiträgen schon lange ein Chorleiter
nicht mehr zu finanzieren war, mussten zusätzliche Einnahmequellen gefunden
werden. So unterhält die Eintracht anlässlich der Schiersteiner Kerb einen
Gemeinschaftsstand für Speisen und Getränke mit dem Carneval-Verein
Schierstein und bessert auf diese Weise ihre Kasse auf. Besonders stolz sind
wir jedoch auf die Tatsache, dass wir gemeinsam mit den Schiersteiner
Winzern und dem Ortsbeirat das Schiersteiner Weinfest ins Leben gerufen
haben und heute maßgeblich für die Organisation dieser Veranstaltung
verantwortlich sind. Darüber hinaus sind die Sänger der Eintracht fast immer
zur Stelle, wenn man sie hören will oder braucht. Zahlreiche Auftritte bei
Adventssingen, Jubiläen oder sonstigen Feierstunden beweisen dies.
Aber auch eine Ära ging in der Zwischenzeit zu Ende. 1997 endete nach 38
Jahren und 9 Monaten die Chorleitertätigkeit von Alfred Engelmann und er
legte den Dirigentenstab in jüngere Hände. Eigentlich wollte er, dem die
Eintracht einen Großteil der Erfolge verdankt, bereits früher ausscheiden,
doch pflichtbewusst, wie er nun mal war, half er dem Verein noch bei der
Suche nach einem geeigneten Nachfolger. In über 3 000 Chorproben hat er die
Sänger der Eintracht mehr oder weniger zur Probe begrüssen können. Diese
Zahl ist sicherlich einzigartig und verdeutlicht einmal mehr, dass es ihm
gelungen ist mit der von ihm eingeführten "Diktatorischen Demokratie" bei
der Auswahl der Lieder, sowohl bei den Proben als auch bei Auftritten immer
das richtige Gespür im Sinne der Eintracht zu beweisen. Er hat maßgeblichen
Anteil daran, dass der Verein sehr frühzeitig die Entscheidung getroffen
hat, lieber Gesangverein zu bleiben als ein ausschließlich
Leistungsbezogener Chor zu werden. In einer besonderen Feierstunde wurde
Herr Engelmann im Frühjahr 1998 zum Ehren-Chorleiter der Eintracht ernannt.
Als Nachfolger konnte die Eintracht mit Diplom-Kapellmeister
Thomas J.
Frank
einen absoluten Fachmann gewinnen. Nach anfänglichen
Schwierigkeiten haben sich die Sänger und ihr Chef in der Zwischenzeit
zusammen gerauft und man kann durchaus positiv in eine gemeinsame Zukunft
schauen.
Alle Sänger sind sich zumindest einig, dass sich auch dieses
Jubiläum in die großen Feste der Eintracht einreihen wird und dass auch
zukünftig die Freude am Singen und der Spaß in den Proben im Vordergrund
stehen soll. Nur so werden wir oder unsere Nachfolger in der Lage sein, auch
in Zukunft weitere Feste und Jubiläen mit der Eintracht zu feiern.
Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde am
2.6.2005 offiziell festgelegt, dass der GV ”Eintracht” in Zukunft als
gemischter Chor weiter geführt werden soll.
Wir laden daher alle
Frauen ein, welche sich eine musikalische Zusammenarbeit mit einem vormals
reinem Männerchor vorstellen können, sich bei uns zu melden bzw. uns einfach
freitags in der Probe
(ab 20.00 Uhr im Christ-König-Haus) zu besuchen.
Unser erster Vorsitzender Herr Volker Birck
